Wachsame Senioren

Das Ensemble "Saleinad Mundo" warnt in Spielszenen vor dem Enkeltrick.
Kommissariat Vorbeugung bucht Laiendarsteller für Präventionsveranstaltungen

Text: Fabienne Piepiora
Foto: WAZ, UV


Wie sich Senioren vor dem Enkeltrick und anderen Betrügereien schützen können, zeigt das Ensemble "Saleinad Mundo" in seinem neuen Stück. Zuerst zeigen sie eine Version, in der die Gauner erfolgreich sind - und dann, wie man sich besser verhält und sich schützen kann. Foto: WAZ, Uwe Vogler Theaterpädagogin Daniela Posada-Bangert.

Der Name des Ensembles "Saleinad Mundo" klingt verspielt, fantasievoll. Er ist eine Wortschöpfung der Theaterpädagogin Daniela Posada-Bangert und bedeutet: "Danielas Welt" - der Vorname wird einfach rückwärts gelesen. Das Stück, das sie mit einigen theaterbegeisterten Senioren einstudierte, hat jedoch einen ernsten Hintergrund. In verschiedenen Szenen simulieren die Hobby-Schauspieler den so genannten Enkeltrick. Zuerst zeigen sie eine Version, in der die Gauner erfolgreich sind, dann spulen sie zurück - und machen vor, wie man sich besser verhält.

Derzeit ist die Gruppe im Kreis Mettmann unterwegs, wo sie vom Kommissariat Vorbeugung der Kreispolizei für Präventionsveranstaltungen gebucht wird. Die Szenen haben die Laiendarsteller gemeinsam entwickelt, nur einmal hat ein Polizeibeamter ihnen Tipps gegeben, damit das Spiel noch realistischer wurde. "Wir haben gedacht, beim Enkeltrick geht es um 200 Euro oder so. Dabei erbeuten die Gauner oft bis zu 10 000 Euro", sagt Ingrid Schween - und schüttelt ungläubig den Kopf.

Steffi Kauer sitzt im Stuhl, Ilse Piepenbrink steht etwas abseits der Bühne. Die Hobby-Schauspielerin darf heute ihre dunkle Seite zeigen und den Gauner geben. "Da muss ich mich am meisten verstellen", erzählt die Langenbergerin, sonst sei sie nämlich lieb und harmlos. Das Telefon klingelt, und mit fester Stimme sagt die vermeintliche Enkelin: "Hallo Oma!" Die entgegnet ein bisschen verdutzt: "Sabrina, bist du es?" Damit reagiert sie genau falsch, gibt der fremden Person am anderen Ende der Leitung eine wichtige Information. In der "richtigen" Version fragt die Großmutter deshalb nur nach, wer denn anrufe und dass sie die Stimme nicht erkenne. Danach legt sie auf - und der Gauner hat keine Chance mehr.

In einem anderen Fall wird Günther Schwikovski von einer fremden Person gebeten, ihm Geld zu wechseln. Während er nach den Münzen sucht, zieht der andere ihm fingerfertig ein paar Scheine aus der Börse. "Besser ist es, wenn man immer ein bisschen Kleingeld lose in der Jackentasche hat, dann gibt man Dieben keine Gelegenheit", rät der Hobby-Schauspieler (77). Er sei Gott sei Dank noch nie in so einer Situation gewesen. "Es soll kein Stück mit dem erhobenen Zeigefinger sein, wir wollen die Zuschauer nur warnen", betont Daniela Posada-Bangert. Die Theaterpädagogin selbst steht nicht auf der Bühne. Sie hält lieber die Fäden im Hintergrund in der Hand und gibt ihren Schauspielern Tipps - etwa, wie sie sich auf der Bühne bewegen sollen.

"Fürs Theater ist man nie zu alt", ist sie sicher. Früher hat Daniela Posada-Bangert das Klippentheater geleitet. Im kommenden Jahr will die 35-Jährige mit ihren Senioren am Schul- und Amateur-Theater-Treffen teilnehmen. Das nächste Stück wird eine lustige Revue - unter anderem spielt die Gruppe die Episode von Bibi Blocksberg und der Zauberlimonade nach. Einen Text müssen sie nicht lernen, sie spielen "Playback". Und im Hintergrund läuft die Kinderkassette."Es soll kein Stück mit dem erhobenen Zeigefinger sein - wir wollen nur warnen."