WAZ 09. Dezember 2003

Mädchen sollen etwas die Königinnen sein
„Starke Kinder“ an der Tersteegen-Grundschule

„Starke Kinder“ werden die Mädchen aus der 4 b der Gerhard-Tersteegen-Grundschule in Hetterscheidt künftig sein. Denn im gleichnamigen Kurs der Theaterpädagogin Daniela Posada-Bangert lernten sie selbstbewusstes Auftreten in allen Lebenslagen.

In der Turnhalle stehen elf Mädchen im Kreis. Sie stehen auf Matten und sagen „Nein“. Und „Ja“. Immer zu ihren jeweiligen Nachbarinnen. Laut und überzeugend. Erst sprechen sie noch, stampfen mit den Füßen auf, später wird alles pantomimisch dargestellt.

Die Mädchen haben auch ihre eigenen Umrisse auf Packpapier gezeichnet. In den Mund malen wir dann Sprechblasen mit einem „Nein“ und darunter schreiben sie dann, in welchen Situationen sie es benutzen können“, erklärt Daniela Posada-Bangert. Und selbstverständlich können diese „Inhaltsverzeichnisse“ dann zuhause an die Wand gehängt werden. Jetzt werden aber erst einmal Situationen durchgespielt, die für die Mädchen relevant sind: Ärger mit älteren Geschwistern, mit Jungs in der Schule. Einer spielt das ältere Geschwisterteil, eine sich selbst – und die Gruppe gibt Kommentare, was noch besser sein könnte: „Nicht die Füße kreuzen, das sieht unsicher aus“, „Nicht lächeln jetzt“, „Die Arme nach vorne, besser nicht hinter dem Rücken verstecken“, „Erst einmal üben die Kinder in solchen Situationen, später sprechen wir noch durch, dass man sich auch in größeren Gruppen wehren kann.“ Klingeln, egal wo. Telefonieren, auch wenn man kein Geld hat. Und einem Fremden auch ruhig mal nicht sagen, wo die gesuchte Straße ist, wenn der unheimlich erscheint.

„Gerade Mädchen werden immer noch zu einer zu großen Höflichkeit erzogen“, so Posada-Bangert. Machen aber auch gerne mit bei Angeboten wie diesem. Gerade so, als hätten sie darauf gewartet, meint Daniela Posada-Bangert manchmal. Und mit einem Chiffon-Tuch, das sie zu Königinnen werden lässt, ändert sich auch umgehend die Körpersprache der Mädchen, sie gehen und stehen viel selbstbewusster.

So, dass das Ziel des Kurses eigentlich ganz einfach zu umschreiben ist: Ein bisschen „Königinnen-Sein“ sollen die Mädchen mit in den Alltag nehmen.
(sar)